Vom Suchen und Finden

Wir suchen Handwerker. Fragen alle, die wir kennen und suchen im örtlichen Wochenblatt.

Herr X wurde uns empfohlen. Seine derzeitige Baustelle sei aufwendig, sein Zehen Nagel, frisch gezogen, heile schlecht. Aha. Sechs Wochen gehen ins Land. Als er endlich kommt, steht er aufgrund eines schweren Unfalls im Stau. Unterwegs steigert er sich hinein in seine schlechte Laune, kommt schon unfreundlich durch die Tür: Da habe er keinen Bock drauf, der Weg sei ihm zu weit, und auf diese Arbeit habe er auch keienen Bock. Er fühlt sich schräg angemacht auf die Frage, wie viele Kilometer er denn habe, und einer Bemerkung über den schweren Unfall mitten im Berufsverkehr. Blöd anmachen lassen müsse er sich echt nicht, beleidigt rauscht er ab. Das hat was von Paul Watzlawicks Geschichte mit dem Hammer.

Herrn X2 finden wir im Wochenblättchen. Er lässt sich Wochen hinterher telefonieren, guckt sich mehrmals die Baustelle an, vertröstet, redet die zu leistende Arbeit zunächst sehr klein: da zieht man mal kurz ab und dann reicht das, und beim Kostenvoranschlag ganz groß: Die Wand habe eine Rundung auf ihrer Länge insgesamt, die müsse ja erst abgetragen werden, das sehe man, wenn man in einem ganz bestimmten Winkel guckt. Tun wir nicht.

Herr X3, auch aus dem Wochenblatt, fragt, wann er anfangen soll. Am besten wäre nämlich sofort, falls noch eine bessere Baustelle anrufen würde. Ansehen kann er sich das Objekt erst ab 9.00 und auch nur vor 15.00 Uhr, sonst komme er ja in den Berufsverkehr. Wir finden einen Termin, der ihm zusagt. Er ruft einen Mond Preis aus, seine Begründung ist köstlich. Er sei ja frischer Rentner und brauche das Geld. Da er kein Gerüst habe, müsse er unsere Leiter benutzen und brauche deshalb länger, (normale Decken Höhe, kein Altbau, kein Palast), das wird deshalb teurer. Dazu 600 Euro Material. Cash natürlich, ist klar. Außerdem müssten wir ihm auch heute noch Bescheid geben. Falls, wie er ja bereits erwähnte, jemand anders einen besseren Auftrag habe.

Herr X4 erzählt, für so eine kleine Baustelle habe er keine Zeit, er mache gerade eine große Kindergartenanlage, das dauert. Schreibt uns dann aber doch einen Kostenvoranschlag. Aus diesem ist nicht ersichtlich, was er machen möchte und welch Material er dafür braucht, aber die Summe ist beachtlich. Er sichert eine zeitnahe Abwicklung zu, von was auch immer.

Mittlerweile helfen uns Freunde und der Nachbar vom letzten Beitrag.

Wir lernen Dinge, von denen wir nie träumten. An dieser Stelle ein fettes Danke! Wir brauchen plötzlich gar nicht mehr für alles einen Profi, und die, die wir finden, sind top. Das Material lag übrigens nicht bei 600 €, sondern bei 50…

Es naht der Tag, an dem jeder Handgriff unsere Ruine sichtbar in ein Schmuckkästchen verwandelt, bis dahin machen wir Yoga, denn alles ist Yoga und Yoga geht überall 🙂

Eines fragen wir uns: Hätten diese vier Herren sich bei männlichen Auftraggebern ebenso verhalten?

1 Kommentar zu „Vom Suchen und Finden“

  1. ……vielleicht muss man in der heutigen Zeit mehr “ Arschloch sein“ damit die Kategorie „Mensch“ einen auch versteht und ernst nimmt….unglaublich.

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